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60 JAHRE KLEBSTOFFE MARKE THOMSIT – HORST MÜLLER BLICKT ZURÜCK:
PVC-Klebung startete
im Kontaktverfahren


60 Jahre Klebstoffe der Marke Thomsit – in dieser Ausgabe zeichnet der PROFI die Entwicklung der PVC-Klebstoffe anhand einiger markanter Beispiele nach.
In den Aufbaujahren nach dem Krieg dominierte im sozialen Wohnungsbau der Steinholzestrich, welcher gleichzeitig als Nutzestrich diente.

Mit der Entwicklung einer schwimmenden Estrichkonstruktion (Verbesserung der Wärme-Trittschall-Dämmung) mussten diese Flächen mit einem Bodenbelag belegt werden. Vorzugsweise wurden zum damaligen Zeitpunkt Vinylasbestplatten (Flexplatten) direkt mit einem Bitumenkleber auf den zementären Untergrund geklebt. Der damalige Spezialklebstoff als Bitumenklebstoff hieß Thomsit 568.

Um einen entsprechenden Riefenstand zu erreichen, wurden den damals stark lösemittelhaltigen Rezepturen als Stellmittel Asbestfasern beigemischt. Damals galt Asbest in vielen Produktionszweigen als lang ersehnter Problemlöser. Unter anderem hielt der Werkstoff Asbest Einzug in Bremsbeläge, Eternitplatten und Welldächer. Heute ist der Kenntnisstand ein anderer.

Nicht nur Asbestfasern wurden diesen Klebstoffen beigemischt sondern auch noch mit Steinkohlenteerpech aus Kostengründen verschnitten. Damit haben wir bei der heutigen Sanierung/Renovierung eine Asbest- und PAK-Belastung.

Dank modernster Analysetechnologien wissen wir inzwischen, dass der Umgang mit Asbest- und PAK verseuchten Belägen äußerst sensibel vorgenommen werden muss.

Laut TRGS 519 dürfen ausschließlich Bodenspezialisten mit zusätzlich erworbenem Sachkundenachweis im Bereich PAK- und Asbestsanierung solcher Art Aufträge erfüllen – und das auch nur unter bestimmten Auflagen (Tragen von Staubmasken, etc.). Aus diesem Grund bietet Thomsit in enger Kooperation mit dem TÜV Rheinland in diesem Jahr erstmals ergänzend zu den Kursen des Bildungsspektrums (Profistufe 3) zusätzliche Zertifizierungsseminare an (23./24. Mai 2006 im Thomsit Forum).

Der nächste große Einschnitt deutete sich in den 60er/70er Jahren an, als PVC zunehmend auf den Markt drängte. Zunächst in heterogenen Versionen, sprich einem schalldämmenden Jutefilzträger, auf dem je nach Qualität eine entsprechend dicke PVC-Schicht aufgetragen wurde. Geklebt wurden diese frühen PVC-Beläge mit den Kunstharzklebstoffen Thomsit T 400 und T 470.

Nur kurze Zeit später eroberten die homogenen, rund 2mm dicken Alternativen den Markt. Sie wurden vorzugsweise mit so genannten Neoprenen, das sind Chlorkautschukkleber, im Kontaktverfahren auf dem Untergrund befestigt. Getreu diesem Verfahren wird der Klebstoff sowohl auf dem Untergrund als auch auf dem Belagrücken aufgetragen. Über den Druck durch das Anreiben mit einer Walze verschmelzen beide Klebstofffilme bei Kontakt miteinander. Thomsit K 182 Extra, K 172 und R 765 als Sockelleistenkleber gelten noch heute als klassische Problemlöser im Treppen- und Kantenbereich, wo extreme Spannungen unter einem Belag herrschen.

Mit zunehmender Kenntnis über die möglichen Folgen lösemittelhaltiger Einflüsse auf den menschlichen Organismus drängte Thomsit sehr früh auf die Entwicklung von Dispersionsklebstoffen, die ausschließlich auf den Untergrund appliziert werden. Wegen ihres einseitigen Auftragverfahrens firmieren sie in der Branche zumeist unter dem Synonym Einseitklebstoffe. Anfänglich noch lösemittelhaltig, wurden sie später lösemittelarm, dann lösemittelfrei und hochsiederfrei. In Produkten ausgedrückt liest sich die Entwicklungslinie so: K 158 – K 159 – K 178 – K 188 – K 188 E – K 188 S bis K 190.

Entscheidend für die Praxis war und ist in diesem Zusammenhang der Unterschied zwischen Nass- und Haftbettklebung. Nassbettkleber wie den K 188 S oder den K 150 kennzeichnet eine definierte Ablüftezeit je nach raumklimatischen Bedingungen sowie die Einlegezeit in gaußscher Verteilungskurve. Ist diese Zeitspanne überschritten, kann keine Benetzung mehr zur Belagunterseite stattfinden und der Belag würde auf dem Klebstoff mehr oder minder lose aufliegen.

Anders verhält es sich bei Haftklebstoffen wie dem Erfolgsprodukt K 188 E. Im Grunde genommen besitzt dieser Klebstoff keine Begrenzung der offenen Zeit. Auch über die Einlegezeit hinweg kann der Belag in das Kleberbett eingelegt werden und er haftet. Mit der Entwicklung des Thomsit K 188 E wurde zugleich erstmals die Klebung von PVC auf einem ebenfalls dampfdichten PVC-Altbelag möglich. Damit gelang Thomsit einmal mehr ein Durchbruch in eine neue Sanierungs- und Renovierungsdimension.


 

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